Horst Walther[1]

Fakten versus Suggestion[2]

Aufatmen bei den kostengeplagten IT-Managern? Es purzeln die Preise der ehemals größten Kostenblöcke, wie Marc Andreessen, der "Vater" des Netscape Navigator, kürzlich beschrieben hat. Seine Behauptung, dass in der modernen IT fast jedes Produkt in nahezu rasender Geschwindigkeit zur Commodity, also zum standardisierten und damit preiswerten(?) Produkt werde, unterstrich er mit vier Beispielen:

Na wunderbar! Billigflüge in den IT-Himmel! Endlich haben wir jetzt die Chance zu einer einmaligen großen Kostenreduktion. Wenn das Drumherum nicht wäre: das System-Ensemble einzurichten, zu betreiben und zu warten. Dafür brauchen wir immer noch teure Spezialkräfte, die zum lT-Budget mit über 40 Prozent beitragen, Insgesamt schlägt das dann laut Andreessen über die Gesamtlebensdauer mit dem sechs- bis achtfachen des Anschaffungspreises zu Buche.

Aber damit nicht genug. Hinzu kommt ein Anwendungsstau in den Unternehmen. Weniger aus Geldnot, eher durch unreife Technologie und hohe Proiektkomplexität entnervt, haben die lT-Verantwortlichen viele Ideen der letzten Jahre wie Customer Relationship Management, Supply Chain Management, B2B Beschaffung und ähnliche gut begründbare Vorhaben noch nicht umgesetzt oder sind bereits daran gescheitert. Gerade weil der stagnierende Markt heiß umkämpft wird, wird die Forderung nach solchen Systemen - Kostendruck hin oder her - jedoch nicht verstummen.

Je mehr Anwendungen, desto mehr Systeme, die aus Sicherheitsgründen meistens ihre eigenen Server, Speichermedien und Datenbanksysteme benötigen. Weil sie auf Spitzenlasten ausgelegt sein müssen, sind sie aber im Durchschnitt nur zu 20 Prozent ausgelastet. Das war's dann mit den Billigflügen in den lT-Himmel. Im ganzen ist das Projekt doch wieder ganz schön aufwendig geworden…

Damit sei es nun vorbei, meint Andreessen. Denn wir haben einen neuen Trend: Automatisierung und Pooling der Ressourcen:

Durch ihren zunehmenden Commodity-Charakter können die Komponenten der Systemarchitektur, egal ob Server, Speichermedien, Datenbanksysteme, Firewalls oder Router als jederzeit und überall nutzbare generische lT-Ressourcen angesehen werden.

Warum erzählt Marc Andreessen das eigentlich? Na, weil er damit ein Geschäft machen und seine Company mit dem passenden Namen Opsware dafür eine geeignete Software liefern will. Mit diesem "Zuteilungsprogramm" sollen die Unternehmen ihre günstig beschaffte Infrastruktur auch effizienter verwalten und betreiben können - aus ihrer bisher heterogenen Systemlandschaft quasi eine virtuelle Einheit machen. Das wäre einmal eine gute Nachricht.

Noch stehen wir am Beginn dieser Entwicklung. Opsware ist nicht das einzige Unternehmen, das uns Kostensenkung bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung verspricht. Ähnliches ist wohl gemeint, wenn IBM's Sam Palmisano über On Demand Computing oder HP's Carly Fiorina eine "adaptive Infrastruktur" und "eine bessere Kapazitätsausnutzung durch Virtualisierung" versprechen.

Ein Megatrend also? Ganz offensichtlich - notgedrungen. Und kein IT-Verantwortlicher wird daran vorbeikommen, sich damit vertraut zu machen. Allerdings gilt es auch hier, Kosten und Nutzen akribisch auf den Grund zu gehen, damit das Taxi am Ende nicht teurer als der Flug wird.

[1] Dr. Horst Walther ist Geschäftsführer der SiG Software Integration GmbH in Hamburg

[2] Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 3 2003 der Zeitschrift DATACOM erschienen.

Horst Walther, Hamburg